Freitag, 4. Mai 2012
Stürmische See
Stürmische See
verschluckt den Steg
am Horizont
ein schlafendes Schiff in rot

Schaumkronen erheben sich
aus rollenden Wellen
spülen algenbehangene Steine
kein Millimeter fort.

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Donnerstag, 24. März 2011
Wellen
Menschen laufen psychisch labil
die organisierten Bahnsteige entlang
warten auf die Abfahrt der Züge
die nie ankommen. Die Welt tickt.

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Montag, 26. Juli 2010
Der Kanonier
Es war kurz vor halb 12 und Ferdinand fütterte die Hühner. Er fütterte die Hühner immer um halb 12, denn er wusste, dass sie zu dieser Zeit weder damit beschäftigt waren gegenseitige Befruchtungen vorzunehmen, noch das Brutgeschäft sie völlig beanspruchte, sie aber auch nicht dösend auf der Hühnerstange saßen sondern munter gackernd den Freilauf ausfüllten.
Halb 12 war der richtige Zeitpunkt der Fütterung da war er sich sicher.
Ferdinand nahm den Eimer mit dem selbst gemischten Hühnerfutter: Weizen und Gerste und heute würden sie zusätzlich eine Handvoll Mais bekommen.

Ferdinand lebte auf dem Gutshof seiner Vorfahren. Er lebte dort schon immer und seine Aufgabe war es den Hof zu verteidigen - gegen Feinde, gegen Barbaren und gegen die schädliche Strahlung der Mobilfunknetze.
Dass er sein Adelsgeschlecht in der Nachmoderne vertrat fand unter der Bevölkerung wenig Beachtung, er jedoch war stolz darauf. Er konnte nicht verstehen, dass der respektvolle Umgang mit Menschen besserer Angehörigkeit längst aus der Mode gekommen war. Unter genau diesem Phänomen litt er tag täglich.

Er konnte nicht verstehen, weshalb es keine Diener, keine Köche und keine Gärtner gab, die gegen Wohnrecht oder ehrenamtlich auf seinem Hof bei ihm arbeiten wollten. Er hatte schon alles versucht, hatte bei Zeitungen Annoncen aufgegeben und sogar hatte er schon das Fernsehen zu sich eingeladen, eine Art Casting Show gemacht - doch vergebens. Er fand einfach keine Mägde. Das war der Grund weshalb er seine Hühner selbst fütterte.

Neben seinen täglichen Pflichten schwelgte Ferdinand, wann immer es möglich war, in der Vergangenheit - er hasste es seine Rosen selbst zu schneiden und den Rasen auf die gewünschten Milimeter zu kürzen. Deswegen stellte er sich lieber vor, er würde über das gewünschte Personal - Küchenmagd, Gärtner und Chauffeur - verfügen. Auch wenn dies nicht stimmte unterstützte die reine Imagination dieser Lebensgefährten seinen Alltag. Und während er rein realistisch betrachtet alle Personen auf einmal war, so fühlte er sich doch anders.

In seiner Vorstellung war er Kanonier Wilhelm Gustav von Bingenberg. Er selbst hatte zur Aufgabe an der Front sein Gut zu verteidigen. Früher einmal wollte er ganz England gegen Feinde schützen, doch seit er bemerkt hatte, dass die Engländer nicht von ihm verteidigt werden wollten, beschränkte er sich auf sein Gut.

Jeden Tag um 17.30 Uhr, nach der Einnahme des Nachmittag-Tees, nahm er sich Zeit seine Zielidentität bewusst auszuleben. Er brauchte ganze drei Minuten um Uniform, Gewehr und Helm aus dem Keller in den Ankleidesaal zu bringen. Weitere zwei Minuten benötigte er zum ankleiden und 15 Minuten zum Frisieren und genau dann kam das Highlight eines jeden Tages: Er bestieg den Hügel auf seinem Gutsgelände und blickte in die Ferne, kontrollierte, ob sich die feindlichen Armeen schon seinem Reich näherten. Um sich später vergewissern zu können, dass er wirklich Zeit dort verbrachte, nahm er Strickzeug mit und fertigte jeden Tag 10 Reihen eines Schals. Nach diesen 10 Reihen war die Auszeit vorüber und er musste Holz für den Winter hacken, es sein denn es war Winter, dann musste er Holz nachheizen, um das Gutshaus warm zu halten.

Es ergab sich, dass der Ferdinand einmal wieder zum Stricken auf den Hügel kam und seine einzigen Ruhemomente genießen wollte. Da kam es zu einem Zwischenfall. Eine Dame mittleren Alters war es, die sich auf das Gutsgelände verlaufen hatte. Sie irrte umher und suchte Blaubeeren als sie das Ende des Schals erblickte, der schon über zwei Meter lang war. Ein Mann in Kostüm, der einsam und allein auf einem Hügel strickt? Was mochte das für ein seltsamer Herr sein? Sie blieb erstaunt stehen, doch bevor sie ihre Begeisterung äußern konnte, zückte Ferdinand alias Wilhelm Gustav von Bingenberg sein Gewehr und drückte ab.
Die Dame ließ einen Schrei hören und taumelte zwei Schritte rückwärts.

Da jedoch die Munition seit Jahren nicht nachgeladen war, blieb der Schuss erfolglos und es kam zu einem Wortgefecht. Sie fühlte sich bedroht und versuchte schließlich ihre Situation zu erklären - als sie endlich zu Wort kam. Ferdinand überhörte ihre Vorwürfe und konnte auch die Komplimente nicht annehmen, die sie ihm wegen des Schals machte. Er war verwirrt. Was wollte diese Dame mitten am Nachmittag auf seinem Gut?

Nachdem sie eine Weile in ihrem Redeeifer nicht zu stoppen war, unterbrach er sie. Er unterbreitete ihr, dass er auf der Suche sei, nach Personal und ob sie nicht bei ihm einziehen wollte, um den Garten zu pflegen oder die Hühner zu füttern.

Sie hingegen hatte nun verstanden, dass der Kanonier kein richtiger war, wollte jedoch herausfinden, weshalb er strickte.

Ferdinand blickte kleinlaut auf den Boden. Er räusperte sich und gab schließlich zu, dass es keinen Grund gab. Dass er es einfach liebte zu stricken, weil dann die Zeit stillstand und doch verging, was man nur daran sah, dass der Schal danach länger war. Der Schal war daher sein Maß für Zeit - in paradoxer Weise jedoch, denn während gefühlt keine Sekunde verging sah man am Schal, dass die Zeit fortgeschritten war. Allein deswegen liebte Ferdinand das stricken.

Der intime Moment wurde dadurch gestört, dass ein eindringlicher Klingelton aus der Handtasche der Dame ertönte.

Das war für Ferdinand der Grund Konsequenzen zu ziehen. Er schickte den ungebetenen Gast fort, beschimpfte die Dame, sie sei der Modernität verfallen und ein materialistisches, konsumverrücktes Weibsstück und sie würde nur ihrem Retro-Wahn zuliebe hier im Wald nach Beeren suchen und keinerlei Liebe zur Natur und zur Vergangenheit besitzen. Mit solch einer respektlosen Person wollte er nichts mehr zu tun haben, schritt davon und verbot ihr sein Grundstück jemals wieder zu betreten.

Schon bald ließ Ferdinand eine Strahlenschutzmauer um sein Gut bauen und zog es von nun an vor mit keinem Fremden mehr in Kontakt zu treten.

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Montag, 1. Februar 2010
Im Wald
Ein Mann mit Hut und
Hund mit Fußpothese

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Sonntag, 10. Januar 2010
Bildlich
vor 2010

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